Wir haben größere Häuser, aber kleinere Familien -
mehr Bequemlichkeit, aber weniger Zeit -
mehr Wissen, aber weniger Urteilsvermögen -
mehr Experten aber größere Probleme.

Wir rauchen und trinken zu viel -
lachen zu wenig, fahren zu schnell -
regen uns unnötig auf, sehen zu lange fern -
stehen zu müde auf, lesen zu wenig -
denken zu selten vor, halten keine Zwiesprache mehr.

Wir haben unseren Besitz vervielfacht,
aber unsere Welt reduziert.
Wir wissen, wie man den Lebensunterhalt verdient,
aber nicht mehr wie man lebt.
Wir haben dem Leben Jahre hinzugefügt,
aber können wir den Jahren auch Leben geben?

Wir kommen zum Mond,
aber nicht mehr zu der Tür des Nachbarn.
Wir haben den Weltraum erobert,
aber nicht den Raum in uns gefüllt.
Wir können Atome spalten,
aber nicht unsere Vorurteile.

Es ist die Zeit, in der es wichtiger ist,
etwas darzustellen als wirklich etwas zu sein.

Wo moderne Technik einen Text wie diesen
in Windeseile in alle Welt tragen kann,
und wo Du die Wahl hast:
Etwas zu ändern ...
oder diesen Text ganz einfach wieder zu vergessen 
 

Ich liebe dieses Gedicht nach George Carlin, einem amerikanischen Komiker, der es anlässlich des Todes seiner Frau verfasst hat

Mein kleines Gebet

Ich weiss, ich red nicht oft mit Dir
und wenn,
dann meistens in Gedanken.
Ich hoff, Du hast Nachsicht mit mir,
mein Glaube kommt schon nicht ins wanken.
Beschütze mich und meine Lieben-
ich weiss, das hörst Du jeden Tag,
und wenn es nicht zuviel verlangt ist,
gedenk der Menschen, die ich mag.
Bedenke auch die Armen, Schwachen,
die immer nur im Schatten stehn,
beschütze uns vor diesen Monstern,
die sich an Kleinkindern vergehn.
Gib dieser Erde endlich Frieden,
auch wenn die Menschen hirnlos leben,
nicht aufhören,
sich zu bekriegen,
kannst Du ihnen Hoffnung geben?
Zeig mir, woran ich glauben kann!
Kennst Du denn des Lebens Sinn?
Wenn ja, sag mir,
wo fang ich an,
dass ich mit mir zufrieden bin?
Ich habe noch so viele Fragen
und hoffe,
Du hörst wieder zu.
Ich meld mich in den nächsten Tagen-
für heute lass ich Dich in Ruh...
Ilse Simonides

Herbststürme

Seit Tagen regnet es.

Orkanböen wirbeln Blätter auf, lassen sie vor ihrem Ende noch einmal tanzend durch die Lüfte schweben. Keinen Hund möchte man vor die Tür jagen. Aber es hilft nichts, ich muß nach draußen. Regen und Wind peitschen mir ins Gesicht. Ich beeile mich, so gut ich kann und freue mich auf eine gute Tasse Tee im Warmen. An Gartenarbeit ist nicht mehr zu denken.

So ein Wetter läßt sich nur durch´s Fenster ertragen, da wird es sogar zum recht amüsanten Schauspiel... Der Wind spielt mit den Menschen, dreht Schirme um und lässt Hüte fliegen. Abgebrochene Äste liegen auf der Straße, Hochwasser kündigt sich an. An solchen Tagen spürt man die Urgewalt der Schöpfung.

Eigentlich liebe ich diese Zeit!

Die Farben des Herbstes sind faszinierned schön, auch wenn sie mit dem Tod der Blätter verbunden sind.

Doch jedes Ende ist auch ein neuer Anfang...

Ilse Simonides  29.10.1998

Augenblicke

Augenblicke festhalten, sie mit ihrer ganzen Itensität wieder zu geben, das ist mein Ziel.

Gleichgütig, was ich fotografiere. Für den Bruchteil einer Sekunde halte ich die Zeit an und fange Momente des Glücks, der Freude oder der Trauer ein. Die Camera als Spiegel der Seele.

Konservierte Gefühle.

Eine Sehende auf der Suche nach den Kostbarkeiten des Lebens. Immer bereit, die kleinen Wunder des Alltags zu bannen, unvergänglich zu machen. Mein Vermächtnis an die Menschheit. Dinge zu sehen, an denen man sonst achtlos vorüber geht.

Die Vergänglichkeit des Seins ein wenig überlisten-

Dafür lohnt sich der Aufwand.

Ilse Simonides 21.2.1999

 

Winterzauber

Ich sitze hier und schau beharrlich

den Schneeflocken beim tanzen zu,

wie sie durch die Lüfte wirbeln,

unermüdlich,

ohne Ruh.

 

Über Nacht hat es geschneit,

alles ist weiß zugedeckt.

Es schneit,

der Frühling wird noch nicht

aus seinem Winterschlaf erweckt.

 

Frostig glitzern Wald und Felder,

Bilder wie von Zauberhand.

Nur die Autofahrer fluchen,

Schneechaos im ganzen Land.

 

Die Wintersportler sind begeistert,

sie lieben diese Jahreszeit.

Wenn nur nicht die Straßen wären.

Denn hier heißt es,

so wie immer:

Des einen Freud- des andern Leid!

Ilse Simonides 23.2.1999

Es riecht nach Frühling

Jeder kennt ihn-

Diesen unbeschreiblichen Duft, betörend, vielversprechend.

Die ersten Sonnenstrahlen kitzeln mir die Nase, wecken die Lebensgeister. Die Natur erwacht langsam aus ihrem Winterschlaf. Erste Blüten ragen vorwitzig aus der Erde empor, als Vorboten dieser schönen Jahreszeit.

Ich tanke neue Energie, fange wieder an zu leben...

Will eintauchen in die kleinen Wunder der Natur, die Seele baumeln lassen, die grauen Tage vergessen.

Wann ist es nur endlich soweit?

Ilse Simonides

Frühlingszauber

Endlich ist es soweit!

Vergessen sind Kälte und Mief der trüben Wintertage.

Die Sonne scheint dir warm mitten ins Herz und lässt die Seele baumeln...

Ein wohliges Gefühl breitet sich aus. Die Natur erwacht aus ihrem Winterschlaf, putzt sich heraus, als wolle sie Hochzeit halten. Überall grünt und blüht es und irgendwie ist alles freundlicher.

Ab und zu huscht ein Lächeln über die sonst so versteinerten Gesichter unserer Mitmenschen. Alles geht dir leichter von der Hand.

Komm, wir fangen wieder an zu leben und lassen uns auf den Sonnenstrahlen treiben!

Wie liebe ich diese Zeit!

Ilse Simonides

 

 

Fragen

Warum gibt es soviel Leid?

Warum quält man kleine Kinder?

Überall Gewalt und Neid,

wo bleibt da die Menschlichkeit?

Sind wir am Ende doch nur Sünder?

Tierzucht ist nicht mehr human-

man arbeitet nur auf Profit.

Mitleid ist nicht angesagt,

das Endprodukt ist hier gefragt.

Schweinepest und Rinderwahn

liefern sie kostenlos mit...

Warum muss das alles sein?

Wo ist Gott in diesem Spiel?

Sind wir wirklich ganz allein?

Kommen wir jemals ans Ziel?

Wie lang geht das alles gut?

Sie zerstören diese Welt...

Wer gibt den Menschen neuen Mut,

oder geht´s nur noch um Geld?

Was macht das für einen Sinn?

Sag mir doch,

was fang ich an,

daß ich mit mir zufrieden bin.

Ich hab Fragen über Fragen-

Wer kann mir die Antwort sagen?

Ilse Simonides  1.9.1998

 

 

Freiheit

Diese Freiheit, die ich meine,

nur zu machen was Du willst,

macht dich frei,

doch auch alleine,

wenn Du dieses Bedürfnis stillst.

Im Sonnenuntergang zu reiten,

wer hat davon nicht geträumt?

Einfach mal auf und davon...

Zu vieles hast Du schon versäumt.

Also rappelst Du dich auf,

um die Freiheit zu erleben.

Nimmst einiges dafür in Kauf,

beginnst für dich ein neues Leben.

Doch

solang dein Herz an Dingen hängt,

Du etwas zu verlieren hast,

ist deine Freiheit eingeengt,

Du wirst in Richtlinien gezwängt

und hoffst

daß Du ja nichts verpasst.

So kommt dein Entschluß ins Wanken

zu unbequem ist dieses Ziel.

Erlebst die Freiheit in Gedanken,

da kann man machen, was man will.

So kannst Du jedem alles sagen,

ohne die Konsequenz zu tragen.

Raus aus dem Alltags Einerlei-

Ja, in Gedanken bist Du frei!

Ilse Simonides  3.10.1998

Willkommen im Millenium

Das Jahr 2000 hat begonnen,

gebührend wurde es begrüßt.

Wir hatten Strom,

es gab kein Chaos,

das uns den Jahrwechsel vermiest.

Nur die Propheten sind betroffen,

denn nichts

was sie uns vorhersagten

ist letztendlich eingetroffen.

Der Computercrash blieb aus

und Gott sei Dank fiel keine Bombe

als Neujahrsgruß auf unser Haus.

Es werden Vorsätze gefaßt,

man hofft auf Frieden,

Glück und Geld

und weiß doch,

wie in jedem Jahr,

es ist nicht gut darum bestellt.

das Datum hat sich zwar geändert

doch nicht die Menschen

nicht die Welt...

Ilse Simonides 1.1.2000

Die Freiheit die ich meine...

Ein Vogel, der sich in die Lüfte erhebt

und, einfach so, von dannen schwebt,

zeigt uns, wie beengt wir im Grunde leben,

auch wenn wir verbissen nach Höherem streben.

 

Der Wind, laues Lüftchen, Sturm oder Orkan,

zeigt uns, wie gewaltig die Freiheit sein kann.

Vor nichts macht er Halt,

nichts läßt er in Ruh-

Wir sind machtlos dagegen

und schauen nur zu.

 

Ein Mensch, der sein Herz nicht an Dinge hängt,

sein Handeln und Tun nicht durch Machtgier beschränkt,

sich nicht verkauft an Banken und Geld-

das ist wohl die freieste Seele der Welt!

Ilse Simonides  25.1.2000

 

 Krankenhausfrust

Gedanken purzeln durch meinen Kopf,

Ängste machen sich ungeniert breit.

Ich tauche ein in ein Meer der Tränen,

Melancolie statt Heiterkeit.

 

Der Schmerz packt zu, mit eis´ger Hand,

läßt mich nicht los, krallt sich in mir fest.

Führt seinen Feldzug, behende, gewandt

und gibt meinem Körper und mir so den Rest.

 

Ich seh keinen Ausweg, will nicht mehr leiden,

warum, frag ich mich, trifft es mich so schwer?

Vorbei zieh´n an mir des Lebens Freuden,

Ich hetz in Gedanken nur noch hinterher.

 

Wie gern würde ich diesen Ort hier verlassen!

Zu Gehen, was wär das für ein Gewinn!

Ganz langsam beginn ich dieses Bett zu hassen,

an das ich so lange gefesselt bin.

 

Ich weiß, eines Tages wird es gelingen,

diesem Gefängnis hier zu entfliehn!

Dann werde ich meine Beine zwingen,

mit mir Schritt für Schritt von dannen zu ziehn!

Ilse Simonides  24.6.2000

Zeit

Wie kostbar ist doch unsre Zeit!

Zu schnell verrinnen all die Jahre...

Du fühlst dich jung, allzeit bereit

und endest doch bald auf der Bahre.

 

Man bekommt sie nicht geschenkt,

sie zerfließt dir in den Händen

und so mancher Dummkopf denkt

er könne seine Zeit verschwenden.

 

Drum leb dein Leben Tag für Tag,

mach dir nicht zu viele Sorgen.

Dazu ist es nie zu spät!

Denn du weißt nicht

ob schon morgen

das alles nicht mehr geht.

Ilse Simonides

 

Copyright der Fotos und der Gedichte Ilse Simonides